Behandlung im bleibenden Gebiss

Metallbrackets im bleibenden Gebiss

Sind bereits alle bleibenden Zähne durchgebrochen, ist in der Regel das Hauptwachstum des Kiefers abgeschlossen. Es können keine Wachstumskorrekturen mehr vorgenommen werden und das Hauptaugenmerk liegt auf der Korrektur von Zahnfehlstellungen. Die Behandlung geschieht mit der "festen Spange", fest auf den Zahn geklebte Brackets verbunden über einen Draht, wobei die Zahnbewegung durch die Kraftübertragung des Drahtes auf das Bracket erzeugt wird.

Kieferorthopädische Behandlung im bleibenden Gebiss

Das bleibende Gebiss

Das natürliche Gebiss ist in der Regel ab einem Alter von 14 Jahren komplett sichtbar. Es besteht, wenn alle Weisheitszähne vorhanden sind, aus 32 Zähnen, jeweils 16 im Ober- und Unterkiefer.
Wenn alle Zähne durchgebrochen sind, findet normalerweise wenig oder gar kein Kieferwachstum mehr statt und das Wurzelwachstum ist abgeschlossen, sodass der Schwerpunkt der Behandlung auf der Behandlung von Zahnfehlstellungen liegt.
Jetzt ist der Einsatz festsitzender Apparaturen möglich, um falsch liegende Zähne zu bewegen. Bei leichten Fehlstellungen lässt sich aber auch jetzt noch mit herausnehmbaren Apparaturen arbeiten.

Korrekturen, die besser schon im Wechselgebiss erfolgt wären, sind meistens auch in dieser Phase möglich. Da der Knochen schon viel stärker mineralisiert ist als in der Wechselgebissphase (9.-12. Lebensjahr), sind allerdings die Behandlungszeiten etwas länger.

Erwachsene in der Kieferorthopädie

Kieferorthopädische Behandlungen sind bis ins hohe Alter möglich, da Zähne in jedem Lebensalter bewegt werden können. Diese Tatsache wird immer mehr verstanden und so steigt die Zahl der Erwachsenen, die sich kieferorthopädisch behandeln lässt, kontinuierlich an. Für diese Entwicklung gibt es gute Gründe.

Einerseits spielt das äußere Erscheinungsbild eines Menschen eine immer größere Rolle bei der Wahrnehmung und Bewertung durch die Umwelt. Ein gepflegtes und regelmäßiges Gebiss ist dabei von größter Bedeutung und trägt maßgeblich zu einem positiven Gesamteindruck bei. 

Andererseits haben im Bereich der Zahntechnik rasante Entwicklungen stattgefunden, die es möglich machen, kieferorthopädische Behandlungen bis ins hohe Alter erfolgreich durchzuführen. Dabei können neben der Gesamtästhetik immer auch funktionelle Beschwerden behandelt und gebessert werden.

Ziel einer Korrektur

Wer möchte nicht schöne und geradestehende Zähne haben, um sich jederzeit wohl und sicher fühlen zu können - beim Lachen genauso wie beim Sprechen oder beim Essen.
Eine kieferorthopädische Behandlung im bleibenden Gebiss ist nicht nur für die Gesamtästhetik bedeutsam, sondern auch ein wichtiger Baustein für eine wirkungsvolle Mundhygiene und eine gute Funktionalität des Zahnapparates sowie der umgebenden Strukturen.

Eine ungleichmäßige Belastung der Zähne, weil sie nicht richtig aufeinander stehen oder Lücken aufweisen, kann zu vielfältigen Problemen führen.
Kauen und abbeißen bei fehlenden Zahnkontakten gelingt dann mitunter nur mühsam oder aber die Aussprache leidet aufgrund einer Fehlfunktion der Zunge bei Zahnstellungsfehlern im Frontzahnbereich.

Wenn in den letzten Jahren ein Zahn entfernt wurde, sind vielleicht umgebende Zähne kippend und drehend in die Lücke gewandert.

Eng stehende Zähne lassen Schmutznischen entstehen und begünstigen auf diese Weise die Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen, da sie der Selbstreinigung durch den Speichel und der Mundhygiene nur schwer oder gar nicht zugänglich sind.
Eine Fehlstellung im Kiefergelenk kann durch die dauerhafte Verspannung der umgebenden Gesichts- und Kaumuskulatur möglicherweise Kopfschmerzen auslösen, die bis hin zum Tinnitus gehen.

Kieferorthopädische Maßnahmen können vor einer prothetischen Versorgung sinnvoll sein, wenn z. B. Zähne, die eine Brücke tragen sollen, nicht geradestehen.

Eine kieferchirurgisch-kieferorthopädische Kombinationstherapie kommt bei extremen Abweichungen des Unter- oder Oberkiefers (Progenie, Prognathie, skelettal offener Biss), die im Kindesalter nicht ausreichend behandelt werden konnten, in Betracht.

Sicherlich ist es wünschenswert, schon im Kindes- und Jugendalter vorhandene Gebissfehlstellungen zu beheben. 
Wenn das versäumt wurde oder nicht möglich war, gilt auch hier: Es ist nie zu spät, sich für die eigene Gesundheit und Lebensqualität einzusetzen!

Kieferorthopädische Geräte

Grundsätzlich entscheidet der Behandler im Einzelfall, welche Art der Apparatur verwendet werden muss. Er richtet sich dabei nicht nur nach Art und Ausprägung der Zahnstellungs- und Kieferanomalie, sondern auch nach Alter, Gebissreife, Wachstumsfortschritt, Gepflogenheiten bei der Mundhygiene und der Kooperationsbereitschaft des Patienten.

Herausnehmbare Apparaturen

Herausnehmbare Zahnspangen sind bei einfachen Zahnfehlstellungen indiziert. Sie bestehen aus medizinischem Kunststoff sowie federnden Drähten, mit denen die Zähne korrigiert werden. Die Farbe des Kunststoffs kann vom Patienten frei gewählt werden.
Die Spangen können bei Bedarf herausgenommen werden und ermöglichen eine gute Mundhygiene.
Die tägliche Tragezeit sollte 14-16 Stunden betragen, das bedeutet, dass die Spange nachts und einige Stunden tagsüber im Mund bleiben muss. Die Behandlungsdauer ist in der Regel länger als bei festsitzenden Apparaturen.

Nahezu unsichtbare Schienen wie Invisalign sind besonders für Menschen geeignet, die nicht zeigen möchten, dass sie eine Spange tragen. 
Bei dieser computergestützten Behandlungsmethode werden die Zähne mit durchsichtigen, flexiblen herausnehmbaren Schienen versorgt, die individuell für den Patienten angefertigt werden.
Die Invisalign-Schienen stören nicht beim Sprechen und können zum Essen und zur Zahnpflege herausgenommen werden. 

Festsitzende Apparaturen

Festsitzende Zahnspangen (Multibandapparaturen) bestehen aus kleinen Brackets und Metallbändern, die in einer genau definierten Position auf die Zähne aufgeklebt bzw. zementiert werden. In die Brackets werden genau aufeinander abgestimmte Behandlungsbögen eingesetzt. Dadurch kann jeder einzelne Zahn in jede Richtung bewegt und kontrolliert werden und es werden selbst schwierigste Zahnbewegungen möglich, die mit herausnehmbaren Spangen nicht realisiert werden können.

Es gibt Brackets aus Metall; für eine bessere Ästhetik können auch transparente oder zahnfarbene Brackets gewählt werden.
Eine optisch sehr ansprechende Lösung ist die Lingualtechnik, bei der die Brackets und Bögen auf die Innenflächen der Zähne geklebt werden.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Arten festsitzender Apparaturen.
In jedem Fall ist eine penible Mundhygiene wichtig. Unter den Brackets verbleibende Speisereste könnten sonst zur Entkalkung des Zahnschmelzes führen, was unschöne weiße Flecken verursacht oder es könnte auch Karies entstehen. Es wäre doch schade, wenn am Ende der Behandlungszeit die Zähne geradestehen, dafür aber jetzt anderweitig geschädigt sind!

Retention

Damit das Ergebnis oft jahrelanger kieferorthopädischer Maßnahmen erhalten bleibt, muss sich eine Phase der Stabilisierung, die Retention, anschließen.
In dieser Zeit festigt sich das Gebiss so weit, dass ein Rückfall in die alte Position unterbleibt.

Wurden herausnehmbare Spangen eingesetzt, sollten diese unter schrittweiser Reduzierung der Tragezeit weiterhin getragen werden. 
Für eine perfekte Ästhetik besteht auch die Möglichkeit, eine durchsichtige Retentionsschiene anzufertigen.

Eine größere Rückfallneigung besteht nach der Entfernung von festsitzenden Apparaturen. Hier werden Retainer (ein hinter die Frontzähne fest eingeklebter Draht) oder herausnehmbare Retentionsgeräte (Retentionsplatte) verwendet.