Kieferorthopädische Frühbehandlung

Platzhalter zur frühkindlichen Kieferbehandlung

Der richtige Zeitpunkt

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass sich bei ihren Sprösslingen die Zähne nicht auf gesunde Weise entwickeln, sollten sie sofort einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufsuchen und nicht warten, bis üblicherweise (ca. ab dem 9. Lebensjahr) eine Behandlung beginnt.
Auch für die Zähne gilt: Je eher und je regelmäßiger ein Kind bei einem Zahnarzt oder Kieferorthopäden vorgestellt wird, desto weniger Angst und umso mehr Vertrauen wird es entwickeln.

Das bedeutet auch, dass Eltern nicht warten müssen, bis sie einen schiefen Zahn oder einen falschen Biss bei ihrem Kind entdecken: Im Sinne einer guten Prophylaxe kann ein Kind ab dem Alter von 3–4 Jahren einmal jährlich beim Kieferorthopäden vorgestellt werden!

Eine kieferorthopädische Frühbehandlung kann bereits ab dem vierten Lebensjahr erforderlich werden, wenn bereits im Milchgebiss oder in der Phase des frühen Zahnwechsels, etwa zum Zeitpunkt der Einschulung, ausgeprägte Fehlstellungen der Zähne oder der Kiefer vorliegen.

Gegebenenfalls leitet er sofort Maßnahmen ein, um die Fehlentwicklungen zu korrigieren, bevor diese einen bleibenden Schaden verursachen. Das Gefährliche an diesen frühen Gebissfehlstellungen ist: Sie wachsen nicht von alleine aus, sondern übertragen sich vom Milchgebiss auf das spätere bleibende Gebiss!

Die Folgen unbehandelter Fehlstellungen sind nicht nur schiefe Zähne, sondern unter Umständen auch Sprachstörungen (z. B. Lispeln) und Probleme beim Essen (Abbeißen oder Kauen).
Eine Frühbehandlung macht im Idealfall eine spätere Langzeitbehandlung überflüssig oder verringert den Grad der Zahn- und Kieferfehlstellung.

Ziele der Frühbehandlung

Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Abgewöhnen oder Beseitigen von sogenannten Habits, die das Gebiss schädigen können.

Habits sind schlechte Angewohnheiten wie z. B. Daumenlutschen, intensives Nuckeln, Wangenkauen, Zungenpressen, Knirschen und Fingernägelkauen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich sowohl auf die Zahnstellung als auch auf die Entwicklung des Ober- und Unterkiefers sowie deren Lagebeziehung auswirken können. Die verschiedenen Habits sind weiter unten detaillierter beschrieben.
Sollte das Abgewöhnen der Habits nicht mehr ausreichen, um einen negativen Einfluss auf Zähne und Kiefer zu verhindern, so werden auch frühe Behandlungsmaßnahmen mit kieferorthopädischen Apparaturen nötig.

Wichtig ist außerdem die Erhaltung der Milchzähne, weil diese als Platzhalter für die nachfolgenden bleibenden Zähne dienen. Gehen die Milchzähne (hier besonders Backen- oder Eckzähne) vorzeitig verloren, kann schon mit dem Einsetzen eines einfachen Platzhalters die Lücke offen gehalten werden.

Ein frühzeitiges und effizientes Eingreifen bei Fehlentwicklungen macht eine spätere Behandlung im besten Fall überflüssig oder in einem sehr viel geringeren Umfang notwendig!

Maßnahmen in der Frühbehandlung

Frühzeitig erkannte Fehlstellungen lassen sich oft schon mit spielerischen Muskelübungen (myofunktionelle Therapie) oder anderen einfachen Maßnahmen behandeln.

Lutschen

Das Lutschen an Daumen, anderen Fingern, dem Nuckel etc. verformt den Kiefer und kann schwere Fehlstellungen im Milchgebiss hervorrufen wie den so genannten "lutschoffenen Biss" oder auch vorstehende Schneidezähne. In der Folge kann das Abbeißen erschwert sein sowie ein Sprachfehler wie Lispeln entstehen.

Aus diesem Grund sollte im Alter von drei Jahren das “ Daumenlutschen“ aufhören. Eine einfache und sichere Maßnahme stellt die individuelle Mundvorhofplatte (MVP) dar, die nicht nur das Lutschen unmöglich macht, sondern auch weitere schlechte Angewohnheiten wie Nägelkauen, Lippensaugen oder Wangenbeißen verhindert. Gleichzeitig werden durch die MVP Zahnfehlstellungen der Schneidezähne beseitigt, da durch die lose vor den Lippen liegende Platte ein leichter Druck auf die vorstehenden Zähne ausgeübt wird.

Das Kind sollte die Platte tagsüber und nachts tragen, um eine sichere und schnelle Entwöhnung vom Lutschen zu erreichen und die Zähne wieder sanft in die richtige Position zurückzuschieben.

Verlust von Milchzähnen

Bei einem frühzeitigen Verlust eines Milchzahnes können sich die vorhandenen Zähne so stark verschieben, dass nach vorne wandernde Backenzähne den benötigten Platz für den bleibenden Zahn stark einengen. Die späteren Zähne wachsen dann schief und verursachen Probleme.
Um solche Zahnverschiebungen zu verhindern, kann der Zahnarzt oder Kieferorthopäde einen Lückenhalter einsetzen. Diesen gibt es sogar mit integrierten, kleinen künstlichen Zähnen - für Kinder, denen schon mehrere Frontzähne durch Unfall oder Karies ausgefallen sind.

Zähneknirschen (Bruxismus)

Im Milchgebiss gilt ein Zähneknirschen bis zu einem Lebensalter von 6-8 Jahren noch als normal, da das Wachstum der Kiefer und die damit verbundene ständig variierende Zahn- und Kieferstellung einen Anpassungsprozess erfordert.
Wenn allerdings an den großen Backenzähnen abgeschliffene Flächen sichtbar werden, muss ein Fortschreiten verhindert werden. Hier hilft eine Aufbissschiene zum Schutz der bleibenden Zähne und zur Entlastung der Kiefergelenke.

Gewohnheitsbedingte Mundatmung

Hier hilft eine Mundvorhofplatte, die die Atemmöglichkeit über den Mund reduziert, sodass das Kind wieder mehr über die Nase atmen muss. Das ist wichtig, um die Atemluft anzuwärmen und zu filtern, um Infekten vorzubeugen sowie den Speichelfluss in Gang zu halten, um Karies vorzubeugen.
Zusätzlich kann eine logopädische Therapie sinnvoll sein.

Frühbehandlung mit kieferorthopädischen Apparaturen

Eine Behandlung mit einer Zahnspange oder einer Apparatur, die der Kieferorthopäde festlegt, kann schon sehr zeitig nötig werden, um Spätfolgen im Erwachsenenalter für den gesamten Stütz- und Bewegungsapparat zu vermeiden.

Beim seitlichen Kreuzbiss ist der Oberkiefer zu schmal und der Unterkiefer muss beim Zusammenbeißen nach rechts oder links ausweichen, wodurch sich obere und untere Zahnreihe kreuzen. Durch die umgekehrte Verzahnung wird der gesamte Unterkiefer verschoben und es können Fehlstellungen der Kiefergelenke nachteilige Folgen für das gesamte Skelettsystem auftreten.

Beim frontalen Kreuzbiss (Progenie) stehen die unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen vor den oberen Schneidezähnen, was den Oberkiefer einengt und in seinem Wachstum hemmt.

Eine ausgeprägte Frontzahnstufe entsteht durch die Rücklage des Unterkiefers und das gleichzeitige Vorstehen der oberen Schneidezähne. Legt sich die Unterlippe zwischen die Zähne oder nuckelt das Kind, verschlimmert sich die Fehlstellung noch weiter.

Schiefe Zähne sind kein unabwendbares Schicksal. Eine frühe Behandlung lohnt sich, damit das bleibende Gebiss gesund und schön wird!